Nachhaltig grillen (5): Das Obst und Gemüse

Saisonales und regionales Gemüse und Obst grillen

Grillspieße mit Erdbeeren aus Spanien im Oktober? Edler Spargel aus Ägypten beim Wintergrillen zu Weihnachten? Gegrillte Zucchini im Februar? Wie in diesen Beispielen, werden Obst und Gemüse leider viel zu häufig außerhalb ihrer natürlichen Saison verarbeitet. Alles soll immer und überall verfügbar sein. Um der Nachfrage gerecht zu werden, müssen Produzenten unter anderem auf Gewächshäuser zurückgreifen. Sie schützen die Pflanzen vor äußeren Einflüssen, die den nötigen Ertrag ansonsten unmöglich machen würden. Der Indoor-Anbau erfordert erhebliche Mengen Energie für Heizung, Beleuchtung und Bewässerung. Außerdem werden für das außersaisonale Angebot Massen an Lebensmittel importiert, was zusätzliche Transporte und CO2-Emissionen verursacht. Auch hinsichtlich Qualität und Frische musst Du Abstriche machen, wenn Gemüse um die halbe Welt geschippert wird. Häufig kommt ein regelrechter Mix aus Pflanzenschutzmitteln zum Einsatz, damit die Ware ihren Weg überhaupt überlebt.

Du als Verbraucher solltest keinesfalls Deine Macht in Bezug auf die Angebotsgestaltung unterschätzen. Je weniger Menschen außersaisonales Obst und Gemüse verlangen, desto geringer die Motivation der Lebensmittelindustrie diese Art von Landwirtschaft zu betreiben. Da nachhaltig Grillen bereits beim Einkauf der Zutaten beginnt, solltest Du Dich für Produkte aus Deiner Heimat entscheiden. Glücklicherweise ist es gegenüber tierischen Produkten bei pflanzlichen Erzeugnissen wesentlich einfacher, Regionales zu finden, dass tatsächlich als solches bezeichnet werden kann. In vielen Gemeinden und Städten gibt es Wochenmärkte mit attraktivem und vielfältigem Angebot, das durch kurze Transportwege frisch auf Deinen Teller kommt, besser schmeckt und deutlich mehr Nährstoffe liefert. Viele Supermärkte passen ihr Sortiment dementsprechend an, weil Kunden verstärkt lokale Produkte verlangen.

Regionalität, Qualität und natürliches Angebot im Einklang

Allerdings ist Regionalität kein Garant für Qualität und Nachhaltigkeit. Auch auf einem idyllischen Markt können Anbieter stehen, die wenig mit Nachhaltigkeit am Hut haben, an veralteten Methoden festhalten, die unsere Böden mit Pestiziden schädigen und dessen Produkte an Geschmack einbüßen. Regionale Angebote beugen mit kurzen Transporten unnötiger Umweltverschmutzung durch Treibstoff vor, müssen aber gleichzeitig saisonal angebaut werden, um klimafreundlich zu sein. Verlass Dich nicht auf Hinweise wie „Herkunftsland Deutschland“ oder „Aus Ihrer Heimat“. Das klingt auf den ersten Blick verlockend, wenn aber die Saison nicht stimmt, geht die Nachhaltigkeit flöten. Zum Beispiel bringt es wenig, wenn Du Tomaten, Gurken oder Paprika von lokalen Bauern kaufst, diese aber aufwändig in Gewächshäusern gezogen werden und hohe Mengen Treibhausgase mit sich bringen.

Im Idealfall verwendest Du Grillgut, das in Deiner Nähe unter ökologisch sinnvollen Faktoren angebaut wurde und dem natürlichen Saisonkalender heimischer Pflanzen entspricht. Die wichtigsten Vorteile auf einen Blick:

  • Sozialverträglicher, weil oft gefährdete Kleinbauern gefördert werden, die den traditionellen Freilandanbau ohne Gewächshäuser, Folientunnel und Ähnliches betreiben. Die regionale Wirtschaft wird angekurbelt, wo wir wieder bei den drei Elementen der Nachhaltigkeit wären: ökologisch, ökonomisch, sozial.
  • Deine Gesundheit profitiert vom Einkauf nach Jahreszeiten. Die Natur hat es so eingerichtet, dass wir das ganze Jahr über gesunde Lebensmittel zur Verfügung haben, um uns abwechslungsreich zu ernähren. Außerdem versorgt Saisongemüse und Saisonobst entsprechend unserer körperlichen Ansprüche mit optimalen Vitalstoffen. Anders als im Treibhaus, herrscht draußen kein Lichtmangel, sodass Pflanzen ohne ein Übermaß an Düngemitteln gedeihen und hohe Mengen Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente entwickeln.
  • Saisonales Grillgut, das unter freiem Himmel wächst, schmeckt und duftet intensiver. Zudem überzeugt es optisch mit appetitanregenden Farben.
  • Orientierst Du Dich am Saisonkalender, musst Du Dir nicht ständig den Kopf darüber zerbrechen, was gegrillt wird. Schau einfach, was die Natur bereithält und leg los!
  • Du hast Kinder? Anhand des individuellen Angebots jeder Jahreszeit kann der Nachwuchs die Zusammenhänge zwischen Natur, Landwirtschaft und Ernährung besser nachvollziehen.
  • Saisonal zu grillen, schont den Geldbeutel. Da es in der Saison zu einem Überangebot kommt, sind die Preise im Vergleich zu außersaisonalen Angeboten günstiger.

Mach Dir Deinen Einfluss als Konsument zunutze und bleib wachsam! Scheu Dich nicht bei Verkäufern nachzufragen! Wo kommt das Grillgemüse her? Wie wird es angebaut und was wird hinsichtlich einer ökologischen Landwirtschaft getan? Wer nicht fragt, bleibt dumm.

Utopia hat einen informativen Saisonkalender erarbeitet, den Du Dir für 2 Euro online herunterladen kannst. Mit dem Beitrag finanziert das Nachhaltigkeitsportal seine Recherchen und pflanzt pro Download einen Baum, um Aufforstungsprojekte weltweit voranzubringen.

Misfits gegen Verschwendung, für mehr Wertschätzung

Mit Misfits ist Obst und Gemüse gemeint, das nicht der Norm entspricht. Viele Jahre führten die Außenseiter ein Schattendasein. Im Rahmen der Nachhaltigkeitsbewegung und Protesten gegen die globale Lebensmittelverschwendung feiern sie heute ein Comeback. Da es keine Rolle spielt, ob Gurken gerade oder krumm, Kartoffeln gleichmäßig oder unförmig sind oder Äpfel eine Übergröße aufweisen, solltest Du zugreifen! Misfits unterscheiden sich lediglich optisch von ihren perfekten Geschwistern, die von der Lebensmittelindustrie als Maßstab auserkoren wurden. Weitere Informationen kannst Du unter www.culinarymisfits.de nachlesen.

Bio-Siegel von Anbauverbänden empfehlenswert

Das staatliche Bio-Siegel, das wir seit 2001 als sechseckiges Symbol von Verpackungen kennen und Kriterien der EG-Öko-Verordnung umfasst, gewährleistet die Einhaltung von Mindestanforderungen in Sachen Bio. Zufriedenstellend sind diese Anforderungen nur bedingt. Willst Du mehr als das Minimum für Nachhaltigkeit tun und von hochwertigen Zutaten profitieren, sind Produkte mit einem Siegel deutscher Bio-Verbände die bessere Wahl. Sie tun mehr für Tierwohl und verlangen, dass sich Erzeuger vollständig ökologisch ausrichten. Eine Begrenzung auf Teilbereiche ist tabu. Auch konventionelle Futtermittel werden oft zu 100 Prozent ausgeschlossen oder zumindest stark eingeschränkt.

Folgende Siegel helfen Dir biologisch angebautes Obst und Gemüse zu erkennen, das unter hohen Ökostandards produziert wurde. Sie werden auch vom Bund für Umwelt und Naturschutz empfohlen:

  • Demeter
  • Naturland
  • Biokreis
  • Bioland
  • Ecoland
  • Gäa e. V.
Als ältester Öko-Anbauverband unseres Landes sind die Ansprüche an zertifizierte Produkte bei Demeter besonders hoch. Ein Verband mit vergleichbaren Richtlinien gibt es in Deutschland nicht. Gegenüber den Vorgaben, welche die EU an Bio-Erzeugnisse stellt, sind die Vorschriften wesentlich strenger. Angewandt wird der biologisch-dynamische Landbau, der die Fruchtbarkeit der Böden fördert, auf chemisch-synthetische Dünge- und Pflanzenmittel verzichtet und Premium-Lebensmittelqualität gewährleistet.

Haltbarkeit verlängern für mehr Vielfalt das ganze Jahr

Da die saisonale Ernährung mit Verzicht einhergeht, kommt sie für viele nicht in Frage. Willst Du die gewohnte Vielfalt nicht missen, gibt es eine einfache Lösung, um dennoch nachhaltig zu grillen: Einfrieren und Einmachen! Schon unsere Großmütter wussten, wie sich saisonale Leckereien haltbar machen lassen, um ganzjährig schlemmen zu können. Viele Gemüse- und Obstsorten lassen sich ohne Weiteres einfrieren. Einmachen ist ein bisschen aufwändiger, verlängert die Haltbarkeit aber zusätzlich.

Warum sich zur Konservierung die Anschaffung eines Vakuumierers lohnen kann, verraten wir in diesem Ratgeber.

Vegan und Vegetarisch grillen als Alternative

Wir sind die Letzten, die Grillfans die Freude an leckerem Grillfleisch schmälern möchten. Stattdessen sind wir der Meinung, dass der bewusste Genuss von hochwertigem Fleisch aus vertrauenswürdigen Quellen zu einer abwechslungsreichen Ernährung beitragen kann und ein ordentliches Barbecue bereichert. Dennoch kann es nicht schaden den Horizont zu erweitern und offen für Alternativen zu bleiben. Ob Fleischesser ab und zu fleischlos grillen oder vollständig auf Tierisches verzichten, ist jedem selbst überlassen und vorurteilslos zu akzeptieren. Fest steht, dass nachhaltig grillen eine gewisse Selbstkritik erfordert. Wenn uns die nächste Generation und dessen Umwelt nicht schnuppe ist, müssen wir umdenken. Viele werden ausschließlich aufgrund der Umweltschäden, welche die Fleischindustrie verursacht, Veganer oder Vegetarier. Die Rezeptwelt beweist, das Grillen ohne Fleisch durchaus machbar ist. Möchtest Du künftig mehr Obst und Gemüse grillen, lohnt sich der Blick in unsere Abteilungen für Vegetarier sowie vegane Grillrezepte.

Lies auch unsere weiteren Folgen zum Thema Nachhaltigkeit:
Nachhaltig grillen (1): Der Grill
Nachhaltig grillen (2): Die Kohle
Nachhaltig grillen (3): Das Fleisch
Nachhaltig grillen (4): Der Fisch
Nachhaltig grillen (6): Der Müll

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