Nachhaltig grillen (2): Die Kohle

Schattenmarkt Holzkohle

Wenn zur Herstellung von Holzkohle und Grillbriketts für unser Ökosystem unverzichtbare Regenwälder abgeholzt, Menschen ausgebeutet und zigtausende Transportkilometer zurückgelegt werden müssen, ist das ein Armutszeugnis für jede Industrienation. Leider findet genau das vielerorts statt. 250.000 Tonnen Grillkohle verbrauchen allein wir Deutsche. In einer Sendung des Bayerischen Rundfunks (BR) macht Johannes Zahnen, der führende deutsche Experte für Holzhandelsströme auf die Missstände aufmerksam und fordert strengere Kontrollen für den Import. Aus gutem Grund: Eine Marktstudie, die BR und der WWF 2018 beim Institut für Holzforschung beauftragten, brachte erschreckende Ergebnisse zum Vorschein: In 40 Prozent der getesteten Holzkohlesäcke konnte Tropenholz nachgewiesen werden.

Besonders enttäuschend: Erstmals waren in FSC und PEFC zertifizierten Produkten Bestandteile aus Tropenwäldern enthalten. Der Anteil war zwar gering, aber auf welche Siegel sollen sich Verbraucher noch verlassen können, wenn nicht einmal renommierte Holzzertifizierer wie Forest Stewardship Council (FSC) und Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes (PEFC) den Verzicht auf Tropenhölzer garantieren können? Hinzu kommt, dass bewaffnete Gruppen Zölle auf Holzkohle erheben, um Millionen zu verdienen und ihre Konflikte zu finanzieren. Inzwischen ist sogar Interpol involviert. Eine Ermittlergruppe beschäftigt sich mit der Ausbeutung globaler Wälder und der lokalen Bevölkerung in den Exportländern. Allein die Tatsache, dass sich die Internationale kriminalpolizeiliche Organisation–Interpol einschaltet, verdeutlicht die verschärfte Situation.

Lesenswert: Womit grillen wir da eigentlich?

Ökologisch sinnvolles Brennmaterial bevorzugen!

ProFagus » Buchen-Holzkohle ab 6,95 € Produkt anschauen Aussichtslos ist die Situation für Grillfans nicht. Wie auch beim Grill, gilt auch hier: Augen auf beim Einkauf! Ein hervorragendes Beispiel dafür, dass es auch anders geht, ist der deutsche Hersteller ProFagus. Als einziges Werk, das hierzulande noch Holzkohle herstellt und somit heimische Arbeitsplätze schafft, verwendet das Unternehmen ausschließlich Buchenholz aus Deutschland. Besonders vorbildlich ist, dass kein zusätzlicher Baum gefällt, sondern das Restholz aus Möbel- und Sägeindustrie eingesetzt wird. Die Produktion erfolgt ressourcen- und umweltschonend, die Transportwege sind vergleichsweise kurz und die Qualität überzeugend. Das hat auch das Verbrauchermagazin Öko-Test mit dem Testurteil „Sehr gut“ für die ProFagus Buchen-Grillkohle bestätigt.

Auch bei Briketts und Anzündhilfen hast Du die Wahl. Es gibt einige Betriebe, die dank cleverer Ideen ökologische Alternativen für nachhaltiges Grillen für sich entdeckt haben. Während McBrikett beispielsweise auf Kokosnussschalen und Bambus setzt, greift OlioBric auf Olivenkerne zurück, was sogar der deutsche Naturschutzbund (NABU) empfiehlt. Alle genannten Rohstoffe haben eines gemeinsam: Der daraus hergestellte Brennstoff vernichtet keinen einzigen Baum. Stattdessen werden mit Kokosnussschalen und Olivenkernen Abfallprodukte, die ansonsten ungenutzt blieben, sowie mit Bambus schnell nachwachsende Grasgewächse sinnvoll zur Bedarfsdeckung verwendet. So geht Nachhaltigkeit.

Produktempfehlungen und Informatives:

Übrigens schädigt die übermäßige Rauchentwicklung, die von vielen minderwertigen Brennmaterialien ausgeht, die Umwelt. Von den verärgerten Nachbarn ganz zu schweigen. Eine angemessene Luftzufuhr dämmt den Qualm zwar ein, noch effektiver ist aber hochwertiges Brennmaterial, das nahezu rauchfrei brennt. Warum Du keinesfalls in Garagen, Wintergärten, Wohnmobilen und Innenräumen grillen darfst, erfährst Du in unserem Ratgeber „Grillen in der Wohnung kann tödlich enden“.

Da nachhaltig grillen Grillanzünder umfasst, solltest Du ökologische Alternative auch dahingehend in Betracht ziehen. Sowohl Umwelt als auch Gesundheit profitieren. Chemische Produkte können einen furchtbaren Beigeschmack auslösen und Bestandteile an Grillgut abgeben, wenn sie nicht korrekt verwendet werden. Außerdem schadet ihre Herstellung dem Ökosystem, weil deutlich mehr Ressourcen benötigt werden.

Ökoanzünder kommen ohne chemischen Zusätze aus und werden mit natürlichen Rohstoffen produziert. Nimm statt Anzünder mit Paraffin, Kerosin oder Petroleum besser Varianten aus Holzspänen und Wachs. Die Anwendung bietet im Vergleich zu flüssigen Grillanzündern deutlich mehr Sicherheit. Einige empfehlenswerte Produkte auf natürlicher Basis:

Ergänzende Tipps findest Du in folgenden BBQ.LOVE Ratgebern beziehungsweise Rubriken:

Nennst Du einen Grill mit Deckel Dein Eigen, kannst Du die Glut nach dem Grillen ersticken und beim nächsten Mal wiederverwenden. Vorausgesetzt sie ist noch nicht zu weit verbrannt. Einfach Deckel und Luftzufuhr schließen und dem Brennmaterial den Sauerstoff nehmen. Für die nächste Grillparty die Kohlen beziehungsweise Briketts von der Asche trennen und gemeinsam mit frischem Brennmaterial im Anzündkamin zum Glühen bringen!

Asche sinnvoll entsorgen

Zum Düngen Deiner Anbaupflanzen im Garten oder zum Kompostieren ist die Asche von Grillholzkohle nur bedingt geeignet. Beim unvollständigen Verbrennen entstehen polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), auch Schwermetalle sind nicht auszuschließen. Gelangen sie durch die Aschedüngung von Gemüsepflanzen in Form von Paprika, Zucchini und Co. auf den Grillteller, kann das negative Auswirkungen auf Deine Gesundheit und die Deiner Lieben haben. Außerdem ist der pH-Wert der Asche für viele Zierpflanzen zu hoch, weshalb sie eingehen würden. Warum Holzasche als Dünger kritisch begutachtet werden muss und worauf Griller achten sollten, fasst der gelernte Baumschulgärtner und Diplom-Ingenieur für Landschaftsarchitektur Folkert Siemens unter mein-schoener-garten.de zusammen.

Pellets und Holz statt Holzkohle?

Dass der Umstieg auf Feuerholz und Pellets beim Umweltschutz keine Besserung bietet, thematisiert ein umfassender Artikel der Deutschen Welle. In vielen Teilen der Welt verschwinden aufgrund des hohen Holzbedarfs Europas große Flächen Wald und wertvolle Ökosysteme werden zerstört. Dennoch heißt das nicht, dass Grillen mit Pellet Grills oder Holzscheiten ab sofort tabu ist. Wie der TÜV bereits vor Jahren erkannt hat, spielt das Grillgut eine wesentlich größere Rolle für nachhaltiges Grillen.

Lies auch unsere weiteren Folgen zum Thema Nachhaltigkeit:
Nachhaltig grillen (1): Der Grill
Nachhaltig grillen (3): Das Fleisch
Nachhaltig grillen (4): Der Fisch
Nachhaltig grillen (5): Das Obst und Gemüse
Nachhaltig grillen (6): Der Müll

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