Tranchiert (3): Hat meine Weihnachtsgans Vogelgrippe?

Am 14. November 2016 von Sandra Schröder in Kolumne

O du Fröhliche

Das Weihnachtsfest naht und besorgniserregend schaut man auf die frisch gebrutzelte Festtagsgans. Kann man die essen? Kann man die bedenkenlos essen? Kann man die ohne Reue essen? Kann man? Darf man? Soll man?

Die Fragen, die man sich heutzutage beim Essen stellen kann und deren Antworten, könnten, auf Papier gebracht, Bibliotheken füllen. Das Durchforsten dieser Bibliothek wäre eine Reise in die Menschheitsgeschichte, mit ihrer Frage, wie wir zu dem geworden sind, was wir sind, sie wäre eine Reise in die Geschichte der Philosophie, mit ihren grundlegenden Fragen nach dem Richtigen und dem Falschen, nach Moralvorstellungen und Handlungsanweisungen, sie wäre ebenso eine Reise zum Mond, von dem aus wir auf die Erde herabschauten und unsere Winzigkeit, vielleicht auch unsere Einzigartigkeit, erkennen würden.

Was können wir wissen?

Über unser Essen wissen wir heute sehr viel und gleichzeitig nichts. Wir haben jederzeit alles zur Verfügung, alles glänzt in satten Farben, duftet verlockend und kostet fast nichts. Ob all das, was uns da geboten ist, tatsächlich einwandfrei ist, und zwar einwandfrei in hygienischer, in gesundheitlicher, in moralisch und ethischer Sicht, wer weiß das schon? Der Verdacht liegt nahe, dass so etwas gar nicht mit „rechten Dingen“ zu gehen kann. Irgendwer wird irgendwo darunter leiden, dass wir uns heute nur unter dieses bunte Füllhorn legen und die Münder aufsperren müssen.

Gans mit Pflaumen-Apfel-Füllung Ideal für 6 Personen Vorbereitungszeit ca. 40 Minuten Grillzeit ca. 240 Minuten Grillgut Geflügel Rezept lesen

In Deutschland breitet sich aktuell die Vogelgrippe aus. Ein Krisenstab ist einberufen, Stallpflicht wurde verhängt, viele befallene Tiere sind bereits getötet worden. In Deutschland ist kein Fall bekannt, dass das aggressive Virus H5N8 auch für den Menschen gefährlich geworden ist. In anderen Ländern gibt es diese Fälle. Die Symptome sind denen einer Grippe zunächst ähnlich, Lungenentzündungen wahrscheinlich, Todesfälle möglich. Die wirkliche Gefahr geht allerdings von der Mutierfreudigkeit der Viren aus. Würden die H5N8-Viren mit anderen Influenza-Viren in Kontakt kommen, etwa in einem an Grippe erkrankten Menschen, dann haben diese Viren besonderen Gefallen daran, ihr Erbgut auszutauschen und sich neu zu erfinden. Ein neues Virus wäre da, eines, das sich rasant ausbreitet und hochansteckend für Mensch und Vogel wäre. Die WHO spricht von einer potentiellen Gefahr für eine globale Pandemie. Das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, Friedrich-Löffler-Institut, gab vorige Woche bekannt, dass es erste Anzeichen für eine Veränderung des Virus gäbe.

Was sollen wir tun?

Uns die Weihnachtsgans schmecken lassen? Gänse werden überwiegend im Freiland gehalten. Ställe mögen die nicht. Hat sich eine Gans infiziert, fällt sie allerdings innerhalb weniger Stunden tot um. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine infizierte Gans auf unserer Festtagstafel landet, ist also gering. Doch wir merken, dass das jetzt irgendwie einen komischen Beigeschmack hat. Sollen wir jetzt froh darüber sein, dass die infizierte Gans schnell tot ist und uns nicht schaden kann? Wir könnten jetzt noch schnell ein paar weitere Gründe anführen, warum uns selbst eine infizierte Gans nicht schaden kann, so sind bei einer Temperatur von über 70 Grad die Erreger nicht überlebensfähig, so sind die Gänse, die wir Weihnachten essen, wahrscheinlich auch schon vor Wochen geschlachtet und tiefgefroren, und vor Wochen war von der Vogelgrippe noch nicht die Rede. Unsere Weihnachtsgans hat keine Vogelgrippe, davon können wir ausgehen.

Was sollen wir hoffen?

Hoffen ist besser als Verzweifeln, lernten wir von Goethe. In dem wir hoffen, hat uns das Unheil schon getroffen, wusste sein Freund Schiller. „Hoffen wir das Beste“ ist der Zynismus der Neuzeit. Auf das, was wir hoffen sollen, finden wir nirgends eine Antwort, außer im Glauben. Und damit sitzen wir wieder an unserer Weihnachtstafel.

Eure

Sandra Schröder

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