Powerfrau am Grill: Stefanie Wördehoff

Am 18. Juli von Sandra Schröder in Menschen am Grill

Stefanie Wördehoff gehört zum derzeit erfolgreichsten deutschen BBQ-Team. Sie ist die eine Hälfte von Dragon BBQ, die andere Hälfte heißt Michael Köpf. Gemeinsam grillen die beiden, die auch privat ein Paar sind, die europäische BBQ-Elite in die unteren Ränge der KCBS-Liste, denn über ihnen ist nicht mehr viel Platz. Aktuell belegen sie Rang 4.

Das Dragon BBQ-Team: Michael Köpf und Stefanie Wördehoff

Stefanie, Ihr grillt momentan recht erfolgreich. Was ist das Ziel für diese Saison?

Wir haben unser Ziel eigentlich schon erreicht. Vor der Saison lautete das Ziel: mindestens ein Grand Champion. Und den haben wir nun schon. Aber jetzt würden wir uns schon freuen, wenn wir am Ende der Saison unter den Top 3 sind.

Wann habt Ihr angefangen mit den Wettbewerben?

Eigentlich 2014. Das Ruhrpott BBQ im Oktober 2014 war der erste richtige Wettbewerb, wenn man mal von so Schnulli-Pups-Wettbewerben rundherum absieht.

Ihr wart und seid immer noch als Zweierteam unterwegs. Gibt es eigentlich Vorschriften, wie viele Mitglieder so ein Team haben darf?

Nein, es können ruhig zwanzig Leute in einem Team sein. Das ist egal. Aber dann wird es halt schwierig mit der Abstimmung. Wenn man sich die erfolgreichen Teams anschaut, dann sind das fast alles Zweierteams. Und Michael und ich sind inzwischen perfekt aufeinander abgestimmt. Da weiß jeder, was er zu tun hat.

Hast Du, bevor Du Michael kennenlerntest, auch schon gegrillt?

Ich hab natürlich schon mal gegrillt, aber nicht bei Wettbewerben. Ich hab ja in Berlin gewohnt und war im Veranstaltungsmanagement unterwegs. Ich hab allerdings schon immer eine Leidenschaft fürs Kochen und Backen gehabt.

Da Du Expertin für Veranstaltungen bist, verwundert es nicht, dass Ihr inzwischen einen eigenen KCBS-Wettbewerb auf die Beine gestellt habt.

Ja, unser Black Forest Smoke & Wine-Festival findet dieses Jahr zum zweiten Mal statt. Und wir sind ein bisschen gewachsen: Letztes Jahr waren 29 Teams am Start, in diesem Jahr sind es 48 Teams. Wir rechnen dieses Jahr mit circa 15.000 Besuchern.

Keine kleine Nummer. Wie läuft das mit den Vorbereitungen für so ein Festival?

Die Vorbereitungen für nächstes Jahr fangen eigentlich jetzt schon an. Man muss den Wettbewerb bei der KCBS beantragen, sich auf Sponsorensuche begeben und die Ausschreibungen für die Judges müssen raus. Für jedes Team muss auch ein Judge gefunden werden. Wir brauchen also dieses Jahr 48 Judges, dazu kommen sechs Table Captains und jede Menge freiwilliger Helfer.

Welchen Part übernimmt die KCBS bei so einer Veranstaltung?

Die KCBS schickt sogenannte Reps, die das Ganze beaufsichtigen.

Wie wichtig sind die Sponsoren für so ein Event?

Extrem wichtig. Alleine könnte man das nicht stemmen. Dank unserer Sponsoren haben wir ja in diesem Jahr auch ein Preisgeld von 8.000 Euro ausloben können. Das ist schon ein Anreiz für so manches Team.

Ihr habt außerdem die Badische Zeitung mit an Bord. Die veranstaltet im Rahmen des Festivals selbst einen Wettbewerb für Hobbygriller.

Ja, das entstand eigentlich durch Holger Knöferl von der Badischen Zeitung, der war auch im letzten Jahr schon dabei. Für den Amateur-Wettbewerb am Samstag stellen wir jedem Hobbygriller einen Profi an die Seite. Der Profi darf allerdings nur Tipps geben und nicht selbst Hand anlegen.

Nochmal zurück zu Euren Grillkünsten. Sind Euch irgendwann mal kleine oder größere Katastrophen passiert?

Mega-Katastrophen sind uns bisher erspart geblieben. Das läuft eigentlich immer ziemlich reibungslos. Wir haben in Südtirol mal bei minus 25 Grad gegrillt, das war schon eine Herausforderung, wenn der Grill im Schnee versinkt und das Fleisch im Nu gefriert. Dann haben wir bei einer Europameisterschaft mal die Folienkartoffeln in Alufolie abgegeben. Das war aber keine Katastrophe, sondern Blödheit. Ach, und dann war da noch das „Brisket Hawaii“. Da hat Michael die Injektionen vertauscht. Statt ins Pork kam dann die Ananasinjektion ins Brisket. Hat immerhin noch für einen 8. Platz gereicht.

Die BBQ-Welt ist immer noch eine sehr männliche. Wie geht es Dir so in dieser Männerwelt?

(lacht) Gut.

Welche Rolle haben die Frauen in den Teams?

Die Diskussion hatten wir unlängst beim Prime Uve. Da hieß es dann auch, dass die Frauen für das „cleaning the dishes“ zuständig seien. Das ist natürlich schon ziemlich machomäßig. Aber letztendlich wissen sie alle, dass ohne Frauen vieles gar nicht möglich wäre. Mein Micha sagt auch: „Ohne Dich würde ich es gar nicht machen!“ Auch wenn er am Grill steht, bin ich diejenige, die die Saucen und Rubs macht und auf alles ein wachsames Auge hat.

Wie ist das vor Ort mit der Gemeinschaft? Gibt es da dieses Gefühl der BBQ-Familiy?

Ja, man ist schon eine kleine Gemeinde, trifft viele Leute und gewinnt Freunde. Aber den Begriff BBQ-Familiy mag ich nicht. Man darf nicht vergessen, dass wir alle Wettbewerber sind. Da hängt ja auch viel Geld von Sponsoren mit drin. Das baut schon Druck auf.

Wie sieht Euer Wettbewerbs-Kalender der nächsten Wochen aus?

Nach unserem eigenen Festival fahren wir im August noch zum Euregio nach Waldfeucht-Haaren, dann geht es in die USA zum American Royal, danach nach Slowenien. Dann ist auch schon wieder das Ruhrpott BBQ. Im September ist viel los. Und wir hoffen natürlich darauf, dass wir im Oktober zum Jack fahren dürfen.

Wie funktioniert das beim Jack? Wer darf da teilnehmen?

Das Jack ist das BBQ-Event in den USA. Das findet in der Jack Daniels Destillerie statt, deswegen auch der Name. In den USA erhält jeder Grand Champion automatisch eine Einladung. In Europa muss man sich zunächst ein Los ergrillen. Als Grand Champion und bestes nationales Team kommt man in den Lostopf. Wir haben bis jetzt zwei Lose im Topf. Anfang August wird dann ausgelost.

Wir drücken Euch die Daumen für alle Wettbewerbe, die noch anstehen, und natürlich ganz besonders für das Jack. Eine letzte Frage noch: Was macht Ihr denn, wenn Ihr mal nicht am Grill steht?

Wir sind Golfreiseveranstalter, beschäftigen derzeit drei Mitarbeiter. Denen bin ich gerade sehr dankbar. Wenn die mir nicht den Rücken freihalten würden, dann könnte ich vieles gar nicht machen. Und Michael hat ja auch noch seine Wok-Bude und macht Catering.

Hört sich nicht so an, als würde Euch langweilig werden. Liebe Stefanie, vielen Dank für Deine Zeit und das Interview.

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