Das geht aus wie’s Hornberger Schießen

Die German Barbecue Association e.V. (GBA) ist die Interessenvertretung aller Grillfreunde in Deutschland und Ausrichter der Deutschen Grillmeisterschaft, zudem Lizenzgeber für zahlreiche weitere Landes- und Stadtgrillmeisterschaften. Die steigende Popularität und Anzahl der Grillveranstaltungen bringt auch immer mehr Arbeit mit sich, die von den zahlreichen Unterstützern, Juroren und Vereinsmitgliedern geleistet werden muss.

Kritik von Einzelnen gehört zum Vereinsleben dazu. Dem einen passt etwas am Reglement der Meisterschaften nicht, dem anderen gefällt ein Standplatz nicht, dem nächsten ist der Juror zu doof oder der Himmel zu grau. Dann wird gemeinschaftlich für besseres Wetter gebetet und schon fluppt das Vereinsleben wieder. Aber es gibt diese Momente im Vereinsleben, da hilft kein Beten mehr. In der Regel geht es dann um Geld. In diesem Fall um viel Geld, von dem (k)einer weiß, wo es ist.

Im Frühjahr 2019 bekam die GBA einen neuen Schatzmeister. Michael Kuttler versucht seitdem aufzuräumen und Klarheit zu schaffen. Wir trafen ihn zum Interview und wollten wissen, wie der Stand der Dinge ist.

Michael, Du bist seit Frühjahr 2019 neuer Schatzmeister der GBA. Was genau ist Deine Funktion?

Ich bin der CFO, also für die finanzielle Abwicklung, für Buchhaltung und Controlling zuständig.

Wie sieht denn die finanzielle Situation der GBA momentan aus?

Die aktuelle wirtschaftliche Situation ist absolut zufriedenstellend. Mit dem erwirtschafteten Guthaben ist die Möglichkeit gegeben, Zukunft zu gestalten. Vieles gilt es zu fördern, zu planen und zu organisieren. Wir arbeiten auch daran, die interne Organisation und Kommunikation professioneller zu gestalten.

Im vergangenen Jahr gab es ziemlich viel Gerede und dabei ging es immer wieder um Geld. Was war denn da los?

Es gab tatsächlich Unstimmigkeiten in der Vereins-Buchhaltung. Unsere Kassenprüfer haben diese Unstimmigkeiten aufgelistet. Ihr Bericht ist den Mitgliedern auf der jüngsten Mitgliederversammlung im November 2019 bekannt gemacht worden.

Unstimmigkeiten heißt, es sind Gelder geflossen und aufgrund fehlender Belege kann heute nicht mehr nachvollzogen werden, wohin. Wie geht der Verein jetzt damit um?

Nun ja, wir könnten jetzt eine Wirtschaftsprüfung veranlassen, die allerdings auch wieder viel Geld kostet und wahrscheinlich eh ausgehen würde wie’s Hornberger Schießen. Wir müssen jetzt auch erst einmal abwarten, ob von irgendwo her noch Forderungen an den Verein gestellt werden. Und schlussendlich werden wir prüfen müssen, ob eventuell rückwirkend Ansprüche noch geltend gemacht werden können.

Eines der Gerüchte im vergangenen Jahr hieß, der Verein sei von der Insolvenz bedroht. Ist da was dran?

Nein. Die Konten waren 2018/19 zwar kritisch und insgesamt war der Verein in einer kritischen Lage. Aber inzwischen schauen wir wieder relativ optimistisch in die Zukunft. Es gibt keinen Anhaltspunkt für einen Insolvenzverdacht.

Hat der Verein aus dieser Krise gelernt?

Ich bin ja nun noch relativ frisch in diesem Verein, aber ich beobachte teilweise schon mangelhafte Strukturen. Es werden längst nicht alle Ressourcen optimal ausgeschöpft, um effektive und effiziente Arbeit zu leisten. Aber die grundlegende Satzungsänderung und die dazugehörigen neuen Vereinsordnungen zeigen, dass wir aus Erfahrung lernen wollen und neue Wege suchen.

Ein beliebtes Kritikfeld sind auch immer wieder die Juryausbildungen. Wie sieht es damit in 2020 aus?

Da bleibt es wie so oft bei reinen Absichtserklärungen. Fakt ist, wir haben keine personellen Ressourcen, um die gewünschten Ausbildungen durchzuführen.

Wer darf denn eigentlich ausbilden?

Die ganze Ausbildung wird durch unseren Jury-Marshall Uli Wette gesteuert. Es gibt eigentlich kein besonderes Anforderungsprofil für die Ausbilder, sondern nur an die Ausbildung. Es versteht sich also von selbst, dass der Ausbilder die notwendigen Kenntnisse, die er vermitteln soll, selber besitzt.

Die Deutsche Grillmeisterschaft findet in diesem Jahr am ersten Wochenende im August statt. Dort findet auch immer die große Juryschulung statt. Wird das auch dieses Jahr so sein?

Ja, die DGM findet am 1. und 2. August wieder in Fulda statt. Es wurde allerdings beschlossen, die Juryausbildung nicht mehr während dieser Veranstaltung durchzuführen, sondern einen Tag zuvor, also jetzt am Freitag, 31. Juli.

Fulda hat sich inzwischen als fester Austragungsort für die DGM etabliert. Kann man sich darauf einstellen, dass die Deutschen Meisterschaften jetzt immer in Fulda stattfinden?

Nein. 2021 wird vielleicht ein neuer Austragungsort gefunden. Die Karten sind offen und werden neu gemischt.

Obwohl jetzt auch der Vereinssitz nach Fulda verlegt wurde?

Ja.

Du hast die Mitgliederversammlung im November 2019 eben angesprochen. Gab es dabei wie in jedem Jahr auch wieder Anpassungen im Regelwerk?

Ja, die gab es auch. Aber da bin ich als Zuständiger für die Finanzen nicht der richtige Ansprechpartner. Mein Augenmerk liegt nicht auf der Erlaubnis von Wasserkochern oder ob jetzt die Grillgeräte für die Zuschauer sichtbar sein müssen, oder nicht.

Die Deutsche Grillmeisterschaft und die German Barbecue Association feiern in diesem Jahr auch 25jähriges Jubiläum. Worauf dürfen sich die Grillfreunde einstellen?

Das ist nicht ganz richtig. Die DGM findet 2020 zum 25. Mal statt. Die GBA jubiliert erst 2021.

Wer hat denn dann die erste DGM veranstaltet, wenn es da die GBA noch gar nicht gab?

Tja, gute Frage. Da müssen wir wohl mal den Rolf Zubler fragen. Die DGM wird im Jubiläumsjahr unter dem Motto „Feuer“ stehen, so viel darf ich schon verraten. Es wird eine große Show geben. Aber wir sammeln auch noch Ideen und basteln am Konzept.

Wir haben ja in 2020 nach drei Jahren endlich auch wieder eine Weltmeisterschaft. Bist Du in Belgien mit dabei?

Ja, ich bin definitiv in Belgien. Für das Präsidium der GBA ist das eigentlich eine Pflichtveranstaltung.

Michael, zum Abschluss erlaube mir noch die Frage nach der Zukunft des Vereins.

Die vorrangige Aufgabe im Verein sollte es nun sein, die Aufgaben klar zu verteilen und mit den Mitgliedern in den Dialog zu treten. Auch die interne Kommuniation gehört auf den Prüfstein. Das geschieht meiner Meinung nach alles zu wenig. Ich werde auch ganz sicher meinen Verbleib in der GBA überdenken. Es hat mich in den vergangenen Monaten schon sehr viel Zeit, Kraft und Nerven gekostet. Ich bin Rentner, ich habe Zeit und engagiere mich gerne, aber unterm Strich sollten auch die Früchte geerntet werden und nicht am Baum vertrocknen. Andernfalls ist es verschwendete Lebenszeit. Da mache ich lieber den Grill an.

Michael, ich danke Dir sehr für die offenen Worte und die Bereitschaft zu diesem Interview.

Neuigkeiten und Infos über die GBA und über die Wettbewerbe findest Du unter Neues von der GBA.

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