Tranchiert: Esst von mir aus alte Socken!

Am 17. Februar von Sandra Schröder in Kolumne

Ehrlich, es ist mir total egal, was Ihr esst. Von mir aus frühstückt Plüschsessel, futtert zu Mittag Bücherregale und am Abend alte Socken. Kann ja sein, Ihr findet Socken total lecker und nahrhaft. Dann esst sie. Morgens, mittags, abends. Mir echt egal. Ihr könnt sie paniert, gewürzt oder in Soße essen. Interessiert mich alles nicht.

Ich höre nicht zu

Es interessiert mich auch nicht, dass Ihr meint, dass das Essen alter Socken total lecker, nahrhaft und gut für den Weltfrieden ist. Wie auch immer Ihr argumentiert: Ich höre nicht zu. Ehrlich, ich komme noch nicht einmal in die Versuchung, Gegenargumente zu suchen. Ich will keine Argumente austauschen und am Ende feststellen, dass es zu nichts weiter führt, als das Verfestigen der Meinungen auf beiden Seiten. Also sparen wir uns das doch bitte.

Nennt mich kriminell

Es steht Euch sogar frei, mich dann überheblich, intolerant oder kriminell zu finden. Mir egal. Vielleicht denke ich das gleiche über Euch. Vielleicht finde ich Euch auch kriminell, wenn Ihr sogar Euren Kindern alte Socken zu essen gebt. Und vielleicht wünschte ich mir sogar, es gäbe ein Gesetz, das dergleichen verbietet. Ich weiß, dass es das nicht gibt. Ich weiß, dass mich die Erziehung und Ernährung Eurer Kinder nichts angeht. Andere Menschen machen insgesamt viel zu viele Dinge, die ich nicht gut finde, aber ich renne nicht ständig zu denen hin und erzähl es ihnen. Ich wäre ja mit nichts anderem mehr beschäftigt. Ich käme nie auf die Idee, Euch zu erzählen, dass alte Socken nicht lecker und wenig nahrhaft sind.

Irren, aber gewaltig

Aber: Bei allem, was ich denke und meine, kalkuliere ich eine gewisse Irrtumswahrscheinlichkeit stets mit ein. Ja, es könnte sein, dass ich irre. Und ja, es könnte sein, dass Ihr irrt. Seit Anbeginn ihrer Existenz sind die Menschen auf der Suche nach Konstanten, nach Dingen, die bis in alle Ewigkeit so sind, wie sie sind. Sie entdecken Naturgesetze und müssen sich doch eingestehen, dass sie veränderbar sein könnten. Und wenn schon die Naturgesetze die Möglichkeit der Veränderbarkeit implizieren, dann doch wohl erst recht unsere Ernährungsgesetze. Ich ziehe also tatsächlich in Betracht, dass das Essen alter Socken gut und richtig sein könnte. Sollte ich allerdings tatsächlich eines Tages davon überzeugt sein, dann käme das einer Aufhebung eines Naturgesetzes gleich. Von dieser Überzeugung bin ich jedoch heute so weit entfernt, wie vom geozentrischen Weltbild.

Vom Sockenstern

Kann ja sein, Ihr seid gar keine Menschen, sondern irgendwie vom anderen Stern. Vom Sockenstern, oder so. Was weiß denn ich? Vielleicht habt Ihr einen gänzlich anderen Organismus, der mit alten Socken ganz gut klar kommt. Kann sein. Aber bitte akzeptiert doch einfach, dass mein Körper mit alten Socken nicht klar kommt. Ich esse keine alten Socken. Morgens nicht, mittags nicht und abends auch nicht. Nicht mal im Traum. Vielleicht habt Ihr von Eurem Sockenstern auch einen ganz anderen Blick auf die Welt und Ihr könnt erkennen, dass sich weder die Sonne und die Erde, noch die Erde um die Sonne, sondern das ganze Universum um den Sockenstern dreht. Kann ja sein, Ihr seht das so. Nur: Ihr überzeugt mich nicht, wenn Ihr mir permanent Eure alten Socken unter die Nase haltet und was von Weltfrieden faselt. Durch das penetrante Missionieren Eurer Socken-Ideologie bringt Ihr doch denselben erst in Gefahr.

Mir doch egal

Mir ist egal, was Ihr esst. Euch kann egal sein, was ich esse. Ihr müsst mein Essen nicht gut, nicht lecker, nicht sonstwas finden. Es ist mein Essen. Mein Essen geht Euch nichts an. Euer Essen geht mich nichts an. Also bitte haltet mir es doch nicht ständig unter die Nase. Das Riechen an alten Socken verdirbt mir den Appetit! Und so lange wir friedlich koexistieren können, ist doch alles gut. Es gibt ja auch Menschen, die glauben, die Erde sei eine Scheibe. Na und? Mir doch egal.

Hier gibt es Essen. Und hier gibt es Sockenburger. Und die Sache mit der Toleranz, die erklärt niemand besser als der legendäre Gerhard Polt: TOLERANZ

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