Menschen am Grill: Thomas Holzportz

Am 27. Februar von Sandra Schröder in Menschen am Grill

Wir wollen wissen, warum Menschen am Grill stehen und was sie an dieser Art der Speisenzubereitung begeistert. Heute steht für uns am Grill: Thomas Holzportz. Thomas ist begeisterter Blogger. Und für viele Leser gehört baconzumsteak.de zur regelmäßigen Lektüre. Seine Vorliebe für gute Steaks und Burger war irgendwie immer schon da, fing aber erst nach einer Amerikareise im Jahr 2008 so richtig Feuer. Thomas schreibt auf, was er in der BBQ- und Genusswelt entdeckt und erlebt. Authentisch, ehrlich und immer mittendrin. Seine Geschichte Bio-Bauernhof Rostatt: Der Soll-Zustand beschreibt erlebnisreiche Tage in den österreichischen Alpen. Ebenso lesenswert ist sein Bericht über die Reise nach Frankreich, bei der er sich auf die Spuren des weit verbreiteten aber viel gescholtenen Jungbullenfleisches macht. Wer verstehen will, was Thomas antreibt, der sollte diese Geschichten lesen. Oder erst einmal unser Interview:

Barbecue heißt der neue deutsche Volkssport. Warum grillst Du?

Ein Fuchs muss tun, was ein Fuchs tun muss! Es gibt da kein wirkliches, sachliches Argument. Ich liebe die Grillerei, das Feuer und gutes Fleisch, Kochen und Essen mit Freunden, und sogar die Arbeit rund um den Blog. Das alles ist für mich ein Herzensprojekt und nicht nur irgendein Job.  Wenn ich also eine ganz simple Antwort auf „Warum grillst Du?“ geben müsste, wäre das vermutlich: „Weil ich mein Leben genießen möchte.“

Wann grillst Du am liebsten?

Das ganze Jahr und zu jeder Tageszeit. „Saisonal“ ist nämlich nicht nur etwas, was es bei Gemüse und Obst gibt. Im Winter wird viel geräuchert und herzhaft gegrillt, es gibt Schmorgerichte aus dem Dutch Oven und natürlich auch den ein oder anderen klassischen Braten. Im Sommer bedient man sich leichterer Gerichte und Beilagen, und so ist der Grill für mich mit den Jahren zu einem zweiten Herd geworden.

Was gehört zu einem (vollendeten) Barbecue für Dich unbedingt dazu?

Schwierige Frage. Wenn man BBQ als reinen Grillvorgang betrachtet, müsste man logischerweise das Verpeisen als Priorität 1 angeben. Für mich ist BBQ aber irgendwie mehr.  Ich bin voller Vorfreude, auch wenn ich über 16 Stunden auf mein Fleisch gewartet habe. Allein diese „Wartezeit“ gehört für mich schon dazu – Daraus resultiert schließlich Zufriedenheit, wenn das Fleisch verzehrfertig ist. Aber auch das Servieren macht mir Spaß: Freunde und Gäste freuen sich über Essen, das mit viel Herzblut und Liebe zubereitet wurde. Man isst zusammen und genießt, so wird ein BBQ auch irgendwie immer zum sozialen Event. Und auch das möchte ich nicht missen. Genauso wenig wie das Essen mit den Händen – Zum Leidwesen meiner Freundin gehört das beim BBQ nämlich auch auf jeden Fall dazu! 😉

Deine Einstellung zum Fleischkonsum?

Ich glaube, dass nur ein bewusster Fleischkonsum akzeptabel ist. Bewusst heisst  für mich, dass man hinterfragt, wo das Fleisch auf dem Teller herkommt und wie es produziert wurde.  Wir alle kennen schreckliche TV-Bilder aus der Massentierhaltung, mehr Denkanstoß kann man eigentlich nicht bekommen. Mir wäre es durchaus recht, wenn es in Supermärkten kein Fleisch mehr geben würde und die Leute wieder zum Bauern oder zum Schlachter fahren müssten. Das klingt radikal, aber diese intensivere Auseinandersetzung mit dem Thema „Fleisch“ würde viele zum Nachdenken anregen.  Wer auf dem Hof verkümmerte Tiere sieht, würde deren Fleisch nicht essen und ohne Widerstand 20 Cent mehr für „gutes“ Fleisch bezahlen wollen. Im Supermarkt fehlen diese Reize – Den einzigen Unterschied macht der Preis auf dem Etikett.

An welchem Ort der Erde möchtest Du gerne einmal grillen?

Dieses Jahr freue ich mich auf ein tolles Event in Österreich, bei dem ich einen Grillkurs bei großartigem Bergpanorama halten kann. So etwas würde mir da vorschweben. Vielleicht mal ein BBQ auf dem Macchu Picchu? Oder Grillen im Erdloch im Dschungel? Auf offener Staße in Thailand? Oder im Bananenblatt gegarte Speisen mit Rastafaris auf Jamaica? Man könnte „Chefs Table“ und „Anthony Bourdain – Parts Unknown“ durchgucken, und ich würde vermutlich alle Orte hier nennen können. Ich lerne jeden Tag dazu, dadurch entdecke ich auch immer wieder neue Sachen, die ich irgendwann und irgendwo mal ausprobieren möchte.

Welcher Grilltyp bist Du? Schnell und heiß oder langsam und soft?

Das kommt ganz auf das Gericht an. Wie oben erwähnt bin ich absoluter „low and slow“-Liebhaber, aber auch ein gutes Steak bei knackigen 800°C ist ein gerne gesehener Freund. Man kann eigentlich alles grillen, und je nach Gericht braucht man auch mehrere Temperaturstufen.

Grillst Du auch im Winter?

Natürlich! Die kühlen Temperaturen eröffnen einige Möglichkeiten, insbesondere was Schinken und anderes Gepökeltes angeht. Es ist jetzt Ende Februar, und die letzten Teile für den Jahresvorrat an hausgemachtem Lachsschinken sind bald fertig. Man verbringt im Winter vielleicht weniger Zeit am Grill, das heißt aber nicht, dass er nicht trotzdem läuft. 😉

Bier oder Wein?

Beides! Wein findet oft in der Küche Verwendung, getrunken wird eigentlich sehr wenig. Rotwein ist mir oft zu ledrig, da würde ich lieber zu einem trockenen Weißwein greifen. Viel lieber, weil weitaus interessanter, finde ich aber Biere. Craftbiere, um genau zu sein. Das sind handwerklich gebraute Biere mit Zutaten abseits vom langweiligen Reinheitsgebot. Von fruchtig bis herb, von malzig bis süß, da kitzelt mich ein Craftbier mehr als das handelsübliche Pils.

Was machst Du, wenn Du gerade mal nicht am Grill stehst?

Darüber schreiben, wie ich eben/gestern/vorgestern am Grill stand. Oder ich lerne neues, durchsuche das Web nach interessanten Sachen, … Blogger zu sein ist wirklich ein Full-Time-Job, den ich aber 7 Tage die Woche liebe und lebe.

Grillst Du lieber mit Gas oder klassisch mit Kohle?

Ich bevorzuge für fast alles Kohle. Nicht einfach an der Gaszufuhr zu drehen, um die Temperatur zu kontrollieren ist, zwar etwas schwieriger, aber genau dieses Handwerk macht mir verdammt viel Spaß. Man muss seinen Grill kennenlernen, und das geht nicht von heute auf morgen.  Die Außentemperatur spielt eine Rolle, genauso wie der Wind und die verwendete Kohle selbst. Ich bin hier wie ein großes Kind: Kinder gehen ja nicht einfach von A nach B, sie hüpfen über Stock, Stein und gehen Umwege durch Pfützen und Bäche.

Hast Du schon einmal an einem Grillwettbewerb teilgenommen?

Ja, auch dieses Jahr stehen einige Competitions an. Als international zertifizierter Juror (KCBS) ist nur noch nicht ganz klar, ob ich als Judge oder im Teilnehmerfeld antrete. 😉

Was unterscheidet Dich von anderen Bloggern?

Ich glaube, dass ich vorallem ein Blogger für die junge, ernährungsbewusste Generation bin. Ich bin mit dem Internet aufgewachsen und habe es immer als Quelle für Wissen und Inspiration genutzt. Das möchte ich auch bei baconzumsteak so halten, und so findet man neben Rezepten, Burgerläden und empfehlenswerten Fleisch-Shops in ganz Deutschland auch viel Wissen rund um das Thema Fleisch. Ich möchte verstehen, warum die Sachen sind, wie sie sind, und das gebe ich auch gerne an meine Leser weiter.

Wie bist Du zum Bloggen gekommen?

Ich war 2008 beruflich in den Staaten und hatte dort den ersten Kontakt zu US Beef. Der Geschmack hat mich damals umgehauen, und ich wollte – zurück in Deutschland – wissen, warum sich der Geschmack so immens unterscheidet. Langsam habe ich mich in die Fleischwelt eingelesen und viel rumprobiert, das Essen fotografiert und sozialen Netzwerken geteilt. Irgendwann wurde daraus eine Facebook-Seite, wenige Monate später war schließlich eine Webseite im Netz. Inzwischen hat sich daraus eine komplette Selbstständigkeit entwickelt. Ich lebe zwar manchmal von der Hand in den Mund, könnte mir aber nichts Schöneres und Erfüllenderes vorstellen.

Dein Lieblingsrezept?

Da gibt es eigentlich keinen absoluten Favoriten.  Auch wenn ich viele  Gerichte öfter zubereite, irgendetwas wird irgendwie immer verändert. Man versucht neue Gewürze bzw. neue Gewürzkombinationen, tüftelt an selbstgekochten Glasuren herum, arbeitet mit unterschiedlichen Temperaturen, oder, oder, oder. Derzeit bekomme ich von Pastrami nicht genug, es gibt für mich wohl kaum einen besseren Sandwich-Belag. 😉

In den Sozialen Netzwerken ist Thomas hier zu entdecken: Baconzumsteak auf Facebook, Baconzumsteak auf Instagram und Baconzumsteak auf Twitter.

Du stehst auch gerne am Grill und möchtest unseren Fragebogen ausfüllen? Dann schreib eine E-Mail an sandra.schroeder@bbqlove.de. Ich schicke Dir den Fragebogen dann gerne zu.

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