Menschen am Grill: Stefan Gessner

Am 06. April von Sandra Schröder in Menschen am Grill

Wir wollen wissen, warum Menschen am Grill stehen und fragen nach. Heute steht für uns am Grill in der Küche Stefan Gessner. Stefan lacht sich seit 35 Jahren über eine bestimmte Szene im Das Leben des Brian kaputt. Überhaupt: Bei Stefan gibt es immer was zu Lachen und zu Essen. Das freut auch seinen Husky. Seit dem er den Husky hat, kann er übrigens Laufen wie ein Flamingo. Also Stefan, nicht der Husky.

Stefan ist eigentlich immer bester Laune, es sei denn, er hängt gerade seinen nicht korrekt gewichteten Schokoladen-Adventskalender auf und muss mit ansehen, wie der schief an der Wand hängt. Dann kann er mal kurzzeitig etwas ungehalten werden. Vor jedem Urlaub kriegt Stefan Panickattacken, weil er Angst hat, irgendein Ladekabel vergessen zu haben. Und wenn er die Spülmaschinentaps aus der Plastikverpackung knibbeln muss, dann kriegt er auch schon mal nen Herzkasper. Ansonsten gehört er zu der Sorte Mensch, der Überweisungsvorlagen für Knöllchen anlegt und das Leben und vor allen Dingen sich selbst nicht so bierernst nimmt. Wobei – Bier nimmt er schon ernst. Ach, lest doch selbst, was er zu erzählen hat.

Warum grillst Du?

Ach herrje! Schon als Kind in den 70ern habe ich zusammen mit dem Papa Würstchen und Fleisch auf dem Grill umgedreht bis alles gar war. Damals mit der allseits bekannten Unsitte, über alles Bier zu sprenkeln. Was nie fehlen durfte, war Nudelsalat, Kartoffel- oder Gurkensalat. Zum Abschluss wurde Schwarzbrot gegrillt mit fett Butter drauf.

Wann war der Zeitpunkt in Deinem Leben, wo Du wusstest, dass Du ohne Grill nicht mehr kannst?

Kniffelige Frage, eigentlich kann ich fast ohne Grillen leben, da ich passionierter Hobbykoch bin und lieber in der Küche werkel. Habe dort zwei Grills, die ich unterschiedlich nutze. Das Grillen im Freien ist für mich eher ein Event, um mit Familie und Freunden einen geselligen Abend zu verbringen, am Grill so unter Männern zu schnacken, Spaß haben, ein wenig Besserwisserei wie man was zubereitet  – da bleibt manchmal der kleine Koch in mir auf der Strecke. Aber fehlen darf Grillen in meinem Leben nicht.

Was gehört zu einem vollendeten Barbecue für Dich unbedingt dazu?

Soßen, unbedingt selbst gemacht oder gekauft in sehr guter Qualität. Geröstetes Brot, vorzugsweise Ciabatta. Und selbst gemachter Cole Slaw aus Rotkraut – dafür sterbe ich 🙂

Deine Einstellung zum Fleischkonsum?

Eine Frage, zu der ich eine Antwort in Romanlänge geben könnte. Vorweg, meine Partnerin und ich essen fast täglich Fleisch. Geflügel, Rind, Schwein oder Exoten. Manchmal Fisch. Was mich betrübt, das es so gut wie keine traditionellen Metzgereien mehr gibt. Wir hatten bis vor 15 Jahren bei uns im Stadtteil 14 Metzgereien – heute nur noch eine einzige und die ist schlecht. Verkauft fast nix anderes als Industriefleisch wie die großen Märkte auch. Will ich gute Qualität, muss ich inzwischen 15 Kilometer fahren, um tolles Fleisch (auch Wild) frisch aus regionaler Haltung zu bekommen. Das nervt, wenn man für 500 Gramm für 2 Personen unterwegs sein muss. Allerdings werde ich (noch) nichts online bestellen, wir haben hier einen Versender im Spessart (ca. 30 km entfernt), der an die Haustür liefert. Abgepacktes kaufe ich eher weniger, sondern von der Theke, da kann ich die Qualität besser beurteilen. Und gestehe so ganz heimlich, dass LIDL super Rinderfilets hat zu einem guten Preis. Wenns die da mal gibt.

Was gar nicht geht, ist dieses fertig mariniertes Zeug in Folie eingeschweißt. Marinaden mache ich prinzipiell selber, da weiß ich was drin ist.

An welchem Ort der Erde möchtest Du gerne einmal grillen?

Den hatte ich schon in Namibia und Botswana. Vier Wochen lang fast jeden Tag grillen und lernen, wie man Kudu, Strauß, Antilope und auch Kamel zubereitet. Nur das mit dem Kamel war ein Schuss in den Ofen, das waren Würste aus Kamelfleisch und ein paar blieben abends übrig. Wir legten die zum Erkalten ins Auto, weil wir dachten, die kann man noch kalt essen. Weit gefehlt, beim Öffnen des Kofferraums am nächsten Morgen hat es uns fast umgehauen – es roch als wenn da eine 2 Monate alte Leiche drin liegt.

Nimmst Du an Grillwettbewerben teil? Und was waren Deine größten Erfolge?

Nein und werde es nie. Genauso wie ich nie in so einer Kochshow antreten würde. Ich hasse den Henssler, ein telegenes Großmaul, dass das Glück des medialen Interesses hat. Kochen oder Grillen  ist für mich wie Meditation,  ein Hort der Ruhe, der Entspannung. Die Zeit, die ich brauche, bestimme ich und nicht andere. Genauso was ich koche – das ist mein Plan, mein Rezept und nicht von Veranstaltern vorgegebene. Meine kleine Phobie ist, dass man mir sagt, ich müsste Leber machen. Waaaaah, ich hasse Leber!

Mit welchem Grillgerät grillst Du am liebsten?

Ganz klar Holzkohle im Kugelgrill. Zur Not tut es auch ein billiges Teil, im Urlaub zum Beispiel. Den Hype, alle 3 Grillvarianten (Kohle, Gas/Lava, Elektro) haben zu müssen mache ich nicht mit. Ich sehe das das in meinem persönlichen Umfeld nur mit Kopfschütteln, da werden 2000 Euro für Geräte und Zubehör ausgegeben und dann das 99 Cent Fleisch von Netto drauf gelegt.

Was ist für Dich das wichtigste Zubehörteil beim Grillen?

Gute Kohle, dieser Turm zum Anzünden und die beidseitige Bürste zum Reinigen des Rosts.

Wer ist Dein größtes Vorbild am Grill?

Ich. Es gibt keinen anderen Grillmeister neben mir 😉

Dein Lieblingsrezept?

Spareribs in Honig-Barbecue Marinade und etwas Kräutern zum Schluss drauf. Dazu ein kaltes Maß Bier.

Grillst Du auch im Winter?

Nein. Ich bin ein Bibberle und kann Kälte nicht ab. Obwohl ich mal im Februar den Grill anwarf, aber da hatte es 20 Grad.

Welche berühmte Persönlichkeit würdest Du am liebsten zu einem Barbecue einladen?

Leider sind die meisten schon tot, die dem Wunsch entsprächen. Wenn dann Harold Faltermeyer, Christian Lohse, Gregor Gysi, Dieter Nuhr.

Bier oder Wein?

Bier, ganz klar Bier. Wein nur weiß als Schorle. Hatte früher mal einen Weinkühlschrank, aber das Getränk geht seit Jahren nicht mehr an mich.

Was machst Du, wenn Du gerade mal nicht am Grill stehst?

Tja, nicht am Grill stehen! Mit dem Husky ausgehen, schreiben, Kino. Und natürlich kochen. Italienisch, französisch, asiatisch und vor allem Rezepte wie es die Oma oder Mutter machte. Ich habe da noch handgeschriebene Kochbücher, die über bis zu 70 Jahre alt sind – die Rezepte sind der Knaller. Und meine Partnerin meckert immer, weil diese alten Rezepte angeblich „so auftragen“ würden.

Dein Barbecue-Motto lautet?

Kaltes Bier und tolle Freunde bei lauter Musik.

Wer sollte Deiner Meinung nach diesen Fragebogen unbedingt auch ausfüllen?

Steffen Henssler, dann macht er mal was Gescheites.

BBQ.LOVE durchsuchen…