Christian Münz, der Ideen-Verwirklicher

Am 10. April von Sandra Schröder in Menschen am Grill

Kleinwallstadt ist ein Städtchen einige Kilometer südlich von Aschaffenburg mit kaum 6.000 Einwohnern. Die Kleinwallstädter selber zeichnen auf ihrer Webseite ein paradiesisches Idyll und legen ihr Städtchen zwischen die „waldreichen Mittelgebirge Spessart und Odenwald in eine malerische Flusslandschaft“.

Wir werden das gerne bei Gelegenheit überprüfen, vorerst lassen wir aber jemanden zu Wort kommen, der in dieser malerischen Flusslandschaft zu Hause ist und dort Dinge baut, von denen viele Grillfreunde gerne träumen. Die Rede ist von Christian Münz und seinen Smokern.

Christian ist Ideen-Verwirklicher. Eigentlich wäre Maschinenbauer die korrekte Berufsbezeichnung und als solcher ist er auch Inhaber der Münz GmbH, aber Christian ist auch ein bisschen verrückt, grillverrückt. Und wenn ein Maschinenbauer grillverrückt ist, dann führt das nicht selten dazu, dass dieser Maschinenbauer sich seinen eigenen Grill baut. Oft bleibt es nicht bei einem.

Christian Münz an einer seiner Feuerplatten.

Christian, bevor wir auf Deine Eigenbauten zu sprechen kommen: Wer oder was ist die Münz GmbH?

Die Münz GmbH ist ein noch recht junges Maschinenbau-Unternehmen. 2006 habe ich angefangen mit der Selbständigkeit, aber die GmbH hab ich 2011 gegründet.

Was genau macht Ihr?

Wir haben uns auf eine Nische spezialisiert. Wir bauen schlüsselfertige Maschinenteile und Baugruppen. Oder auch komplette Einheiten. Wenn der Kunde eine Idee hat, wie etwas aussehen oder funktionieren müsste, dann bauen wir es. Und wir bauen alles im schönen Kleinwallstadt. Und auch unsere Lieferanten sind allesamt aus Deutschland. Wir arbeiten nicht mit Stahl aus Asien oder China.

Was hast Du vorher gemacht?

Vor der Selbständigkeit war ich Fertigungsleiter bei einem Baumaschinenhersteller.

Und irgendwann hast Du angefangen Smoker zu bauen.

Ja, ich war schon immer so ein bisschen grillverrückt und auf dem Markt hab ich nicht den passenden Smoker für mich gefunden. Also hab ich selbst angefangen, einen zu bauen. Doch bevor der erste fertig war, hatte ich schon mit dem Bau des zweiten angefangen. Beim Zusammenbau des zweiten Smokers stand mir ein amerikanischer Freund zur Seite. Und der meinte anschließend, das sei der beste Smoker, den er je in den Fingern hatte.

Da hat Dich dann der Ehrgeiz gepackt?

Der Ehrgeiz war ja schon da. Der ist eigentlich immer da, wenn es um kreative Dinge geht.

Heute gibt es unter dem Dach der Münz GmbH auch die Münz Manufaktur. Und diese Manufaktur baut Smoker und Grillgeräte.

Ja, das mit den eigenen Smokern hat sich damals relativ schnell rumgesprochen. Ich wurde ständig weiterempfohlen. Das lief wirklich nur über Mundpropaganda. Beim Bau unserer Smoker arbeiten wir heute mit dem gleichen Spirit, mit dem wir sonst auch unterwegs sind. Wir sind total qualitätsverliebt und wir gehen wirklich auf alle Kundenwünsche ein.

 

Warum sollte ich mir überhaupt einen Smoker bauen lassen? Inzwischen ist ja auch der deutsche Markt sehr gut mit Smokern bestückt. Was macht Deine Smoker so besonders?

Viele kleine Details, die wir einbauen, die das Smoken wesentlich entspannter machen. Und vor allen Dingen auch die Tatsache, dass wir unsere Lacke selber einbrennen.

Das Einbrennen ist ja meist die erste große Herausforderung, vor der man steht, wenn man sich einen Smoker zugelegt hat. Warum brennt Ihr Eure Lacke selber ein?

Hochtemperaturlacke brauchen nun mal einen Einbrennvorgang. Und den brauchen sie am besten sofort. Anfangs ist die Lackschicht ja noch wie eine Gummihaut und kann sich durch die Einbrennhitze viel besser mit dem Stahl verbinden. Steht der Smoker erst einmal ein paar Monate rum, hat sich der Lack schon gefestigt und lässt sich nicht mehr optimal einbrennen. Von uns erhält der Kunde einen Smoker, mit dem er sofort loslegen kann.

Okay, dann ist es aber doch unverständlich, warum andere Hersteller das nicht machen.

Ja, eigentlich schon. Aber das ist natürlich eine Kostenfrage. Leider hört man sehr häufig, dass ein Smoker rostet oder der Lack abblättert. Und die Kunden haben dann in der Regel keine Chance zu reklamieren, weil der Hersteller sich immer damit rausreden kann, der Smoker sei falsch eingebrannt worden.

Du hast von den Details gesprochen, die das Smoken mit Euren Smokern so entspannt macht. Ich leg mich jetzt einfach zurück und hör Dir zu.

Genau das sollten unsere Kunden auch tun, sich entspannt zurücklegen während der Smoker läuft. Wir haben in unsere Smoker ein System eingebaut, das genau das erlaubt. Nach einer Anheizphase von einer halben Stunde läuft der Smoker über sechs Stunden mit konstanter Temperatur und der heiße Rauch zirkuliert immer gleichmäßig und eben auch nur so viel Rauch wie nötig. Wir nennen dieses System Smoke-Control. Es ist übrigens bei keinem anderen Anbieter erhältlich.

Das heißt also echtes Barbecue-Feeling. Keine Hektik durch „Hilfe, die Temperatur ist zu hoch“ oder „Dreimal Hilfe, die Temperatur sinkt“.

Richtig.

Was macht Eure Smoker sonst noch aus?

Wir haben eine kleine Sperre eingebaut, damit der Bratensaft nicht abläuft. Wir bauen sehr hochwertige Griffe. Und wir verwenden sehr dicke Edelstahlroste. In den Rosten sind 15 bis 20 Kilo Edelstahl verbaut. Es gibt natürlich eine Halterung für Thermometer. Außerdem passen die üblichen Gastrobehälter genau hinein.

Bei so viel Leidenschaft und Handwerkskunst, mal ehrlich, wer kann sich so einen Smoker leisten?

Jeder, der Wert auf Qualität, Langlebigkeit und besten Grillgenuss legt. Unser Smoker sind nicht teurer als das, was als Kaufware auf dem Markt ist. Mit dem Unterschied, dass wir nicht nur Garantie auf das Gerät, sondern auch auf den Lack geben. Unsere Smoker kann man vererben. Mein erster Smoker hat immer noch den ersten Lack drauf.

Nun baut Ihr nicht nur Smoker, sondern auch Feuerplatten. Damit trefft Ihr ja gerade genau ins Schwarze. Im Moment will jeder so ein Teil haben.

Tatsächlich treffen wir damit einen Nerv. Allerdings reift die Sache mit den Feuerplatten bei uns schon längere Zeit. Wir haben einen spanischen Kunden aus dem Baskenland. Wir kennen uns schon über 20 Jahre lang und daher kam die Idee mit dem Feuerplatten. Es hat wirklich etwas sehr Geselliges, wenn man gemeinsam mit seinen Freunden um so eine Platte herum steht. Sie ist einfach zu bedienen, Verbrennen ist fast unmöglich und nichts wird darauf trocken.

Feuerplatte auf Fass für die Augsburger Fleischerschule.

Baut Ihr die Platten auch nach Kundenwunsch?

Klar. Wir haben zwar inzwischen immer welche auf Lager, aber wenn ein Kunde eine Idee hat, dann setzen wir sie um. Wir bauen die Platten auf Ölfässer, auf Stahlfässer oder auf Holzfässer. Mit dem Logo des Kunden versehen, sind sie Schmuckstücke für jedes Event oder die Gastronomie.

Und was sind Deine eigenen Ideen für die Zukunft?

Oh, da gibt es einige. Ich werde Grillkurse in Kooperation mit einem Direktvermarkter anbieten. Und dann hab ich noch was ganz Besonderes geplant, was Kleines, aber das werde ich jetzt noch nicht verraten.

Okay. Dann werden wir darüber berichten, sobald Du die Freigabe erteilst und hüllen uns bis dahin in tiefstes Schweigen. Ich danke Dir sehr für Deine Zeit und wünsche weiterhin viel Erfolg beim Ideen-Verwirklichen.

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